Russland am Scheideweg – Teil 2

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Abbildung 1: Gregori Rasputin in die russische Flagge integriert

Wie Sven Schulze in seinem Artikel für den europäischen Wirtschaftsdienst festellte (http://www.wirtschaftsdienst.eu/archiv/jahr/2011/8/russland-am-scheideweg/), befand sich Russland bereits im Sommer 2011 „am Scheideweg“.

 

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Abbildung 2: Der RTSI (Russian Trading System Index) in Dollar (hellblaue Linie) und in 100er Rubel (dunkelblaue Linie) sowie der Rubel-Dollar-Kurs (gelbe Linie) in Hundertstel Dollar-Cents; Quellen: Yahoo Finance und US Federal Reserve Bank

Dies zeigt auch ein Blick auf Abbildung 3. Hier sieht man, dass im Sommer 2011 der „Russian Trading System Index“, also der Index der 50 größten börsengehandelten Aktienunternehmen noch einmal einen herben Dämpfer erhielt und von ca. 1888 Dollar auf 1341 Dollar fiel. Schuld daran war der Bärenmarkt von Erdöl und Erdgas in der Zeit vom Sommer 2011 bis Anfang 2012 (siehe Abbildung 3).

 

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 Abbildung 3: Der RTSI in Dollar (hellblaue linie) der Brent-Oil-Index in 10er-US-Dollar-Cents oder auch “Dimes” (graue Linie) sowie der Erdgas-Preis-Index von Henry Hub in Dollar-Cents pro Million BTU-Einheit; Quellen: Yahoo Finance, Federal Reserve Bank sowie FT.com

Dennoch berappelten sich danach die Erdöl- sowie Erdgaspreise wieder, bis es dann im Sommer 2014 zu einem „negativen Ölpreisschock“ kam und der Preis für die Sorte Brent-Oil von 1100 Dimes, also 110 US Dollar auf unter 700 Dimes, also 70 US Dollar gefallen ist (siehe wiederum Abbildung 3).

Im Zusammenspiel mit den Sanktionen gegen russische Firmen, die in erster Linie auf eine Beschränkung des Zugangs zu ausländischen Krediten abzielen, ist es nun zu einer handfesten Rubelkrise gekommen (siehe Abbildung 2), der Rubel notierte zuletzt bei 1,59 Dollar Cents (Stand: 15.12.2014), anfang Dezember 2013 waren es noch 3 Dollar-Cent gewesen. Die russische Trust Bank musste mit 30 Milliarden Rubeln von der russischen Zentralbank vor der Pleite gerettet werden (http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/geldpolitik/rubel-krise-russische-zentralbank-muss-erstes-institut-retten/11152728.html).

Russland ist also wieder mal (wie so oft in seiner wechselhaften Geschichte) am Scheideweg. Um auf Abbildung 2 zurückzukommen, sieht man, dass Vertrauenskrisen in die Rubelwährung bisher immer die Vorboten bzw. Nachwehen einer kurz anhaltenden Korrekturphase für den russischen Aktienindex RTSI gemessen in Dollar gewesen sind: 1998 während der Russland- und Asienkrise sowie 2008 während der globalen Finanzkrise. Jetzt haben wir wieder solch einen Punkt erreicht. Von 1998 bis 1999 fiel der RTSI von 422 Dollar auf 44 Dollar also um 89,6 Prozent. Vom temporären Hochpunkt in 2008 bei 2460 Dollar fiel er auf 545 Dollar in 2009, also um 77,8 Prozent. Jetzt haben wir es wiederum mit einem markanten Rubelschock zu tun, fällt der RTSI also nochmals von seinem letzten temporären hoch bei 1320 Dollar in 2014 um 80 Prozent, so sind Werte von um die 260 Dollar durchaus noch im Bereich des Möglichen. Deswegen kann man nur allen Investoren, die in der russischen Wirtschaft direkt etwa durch einen russischen Index-Fonds oder indirekt durch einen Schwellenländer-Fonds, der auch Anteile an russischen Unternehmen enthält, wie beispielsweise ein BRIC-Fonds, nur dazu anmahnen, ihr Investment noch einmal gründlich zu überdenken. Die Psyche sagt: ich bleibe bei meinem liebgewonnen Investment und warte ab bis ich die Verluste wieder aufgeholt habe. Der Verstand sagt aber: besser 30 bis 50 Prozent Verluste realisieren und dann 70 bis 50 Prozent sicher wieder zurückhaben, als eventuell noch viel größere Verluste einzufahren. Zum 22.12.2014 um 19:00 Uhr Berliner Ortszeit haben wir einen Kurs von 811,03 Dollar. Fällt der RTSI nochmals ruckartig auf 260 Dollar so macht das noch zusätzliche Verluste von 68 Prozent. Sicherlich wird sich die russische Wirtschaft in naher Zukunft wieder erholen. Doch die Frage ist, ob das einseitig auf die Rohstoffproduktion ausgerichtete Wirtschaftsmodell Russlands im Zeitalter des Frackings und der beginnenden Elektroauto-Revolution angestoßen durch Toyota und Tesla wirklich zukunftsfähig ist. Russland scheint hier seine während des Rohstoff-Preis-Booms erwirtschafteten Überschüsse zu wenig in Investitionen zur Verbesserung der Infrastruktur und zur Bekämpfung der Korruption investiert zu haben, wie auch schon Sven Schulze 2011 geschrieben hat. Stattdessen heizte Wladimir Putin lieber die Rüstungsindustrie an. Doch die hat noch keinem Land nachhaltige Produktivitätsgewinne, Wachstum und Wohlstand gebracht. Russland steht mal wieder am Scheideweg.

Fragt sich nur, wohin die Reise diesmal geht.

Quo Vadis DAX?

Ein Blick auf Abbildung 1 lässt erkennen, dass wir zur Zeit in einer heißen Phase der Kursentwicklung sind.

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Abbildung 1: Die Kursentwicklung des DAX 30 in logarithmischer Skala; Quelle: Yahoo Finance; Stand: 29. Oktober 2014

Zweimal kratzte der DAX 30 bisher an der Marke von 8000 Punkten: Einmal Anfang des Jahres 2000 (7644 Punkte im Februar 2000) und einmal Ende 2008 (8067 Punkte im Dezember 2008).

Jedes Mal kam es im Anschluss zu einer kräftigen Kurskorrektur: von 2000 bis 2003 fiel der DAX um 5220 Punkte (- 68%) auf 2423 Punkte, von 2008 bis 2009 fiel er um 4223 Punkte (-52%). Im April 2013 war es dann wieder soweit: bei 7913 Punkten wurde kurz an die 8000er Tür geklopft, diesmal mit Erfolg! Die Rally dauert bis heute an (Stand: 29. Oktober 2014), im Oktober 2013 wurde die 9000er Marke gerissen (9033 Punkte) und zur Zeit notiert der DAX 30 bei einem Monatsschlusskurs für den Oktober 2014 von 9068 Punkten, wobei im Mai diesen Jahres (Monatsschlusskurs: 9986 Punkte) sogar kurzfristig die 10000er Marke überschritten wurde.

Stellt sich also die spannende Frage: Quo Vadis DAX?

War das Tief im September 2011 von 5502 Punkten das Letzte dieser Art, und befinden wir uns nun am Startpunkt einer neuen Rally, ähnlich der von 1991 (Januar: 1402 Punkte) bis 2000, mit einem Zuwachs von 438% in 9 Jahren, was einer durchschnittlichen Rendite von 20,56% pro Jahr (!) gleichkommt?

Hierzu mag ein Vergleich mit der realen Entwicklung des Deutschen Aktienindexes, also mit dem um die Werte des Verbraucherpreisindexes des Statistischen Bundesamtes bereinigten Werten des DAX hilfreich sein:

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Abbildung 2: Nominale und reale Entwicklung des DAX 30; Monatsschlusskurse von Yahoo Finance, Stand 29.10.2014; VPI vom statistischen Bundesamt, abgerufen am 29.10.2014, Quelle: https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesamtwirtschaftUmwelt/Preise/Verbraucherpreisindizes/Tabellen_/VerbraucherpreiseKategorien.html; DAX-30-Werte zu Preisen von Januar 1991

Hier sieht man, dass der DAX 30 in realen Größen gemessen seine Widerstandslinie bei der Marke von 6000 Punkte hat.

Im Februar 2000 hatte der DAX 30 sein temporales reales Hoch von 6197 Punkten, im Juni 2007 betrug es 5752 Punkte. Der Hochpunkt für den Zeitraum ab Oktober 2013 wurde ständig nach hinten verschoben, und scheint erst noch zu kommen: 5892 Punkte im Oktober 2013, 6303 Punkte im Februar 2013 und nun im Oktober 2014 6447 Punkte.

D.h. wenn wir mittelfristig, also innerhalb der nächsten 3 bis 6 Monate eine Festigung der realen 6000er-Marke sehen, kann davon ausgegangen werden, dass der Bärenmarkt der vergangenen 14 Jahre ein Ende hat und uns eine neue Hausse bevorsteht.

Das dies auch mit der historischen Erfahrung über Aktien-Haussen und –Baissen übereinstimmt, und die detaillierten Daten nutzerfreundlich in einer Tabelle aufbereitet zu diesem Post erhalten sie in der Voll-Version dieses Artikels, der demnächst auch auf dieser Seite abrufbar ist.

Bis dahin machen Sie es gut,

 

HL Sievers